Über die Bewegung «Weg der Arbeit». Antworten auf die Fragen der Leser.

127386-02170810013358636261. Warum bezeichnet sich unsere Bewegung als die der Arbeiterschaft?

FrageEure Seite und Bewegung trägt den Namen der Arbeiterschaft. Hierbei tritt folgende Frage auf: gehören Angehörige der Intelligenz und andere Kategorien von Arbeitern, welche im Übrigen die normale Arbeiterschaft zahlenmäßig deutlich übersteigen (z. B. Lehrer, Ärzte, diverse Arten von Ingenieuren, Techniker, Meister etc.) nicht zu eurer Bewegung?

Antwort: Das Wort “Arbeit” im Namen unserer Bewegung zeigt auf, dass unsere Bewegung für die Weltanschauung und klassenspezifischen Interessen der Arbeiterklasse steht und somit auch seine tief verwurzelten Grundbedürfnisse vertritt.

Die Arbeiterklasse (also das Proletariat) ist eine der zwei Hauptklassen der kapitalistischen Gesellschaft.

Die Intelligenz hingegen ist keine Klasse, sondern eine gesellschaftliche Schicht, wobei das Kriterium der Teilung hier nicht die Position in der Gesellschaft und auch nicht die Haltung der Intelligenz zu den Produktionsmitteln, sondern der Charakter ihrer Arbeit, die Frage, ob es sich bei ihrer Arbeit um mentale oder physische handelt, ist. Von hier aus wird ersichtlich, dass die Intelligenz Leute aus allen existierenden Klassen und gesellschaftlichen Schichten beinhalten kann, wenn diese mit mentaler Arbeit zu tun haben.

Fortfolgend lässt sich ebenso sagen, dass die Angehörigkeit einer Person zu einer Klasse, nicht durch seinen Beruf ersichtlich wird (oder zumindest nicht ausnahmslos anhand diesem festzustellen ist). Zum Beispiel sind Hafenarbeiter oder Arbeiter in einer Gießerei immer und ausnahmslos Teil der Arbeiterschaft, des Proletariates, während ein einfacher Fahrer eines Fahrzeuges sowohl Teil des Kleinbürgertums, als auch der Arbeiterklasse (des Proletariates) oder des Halbproletariates sein kann.

Ein Techniker ist in der Regel immer ein Arbeiter. Ein Meister, kann ebenso durchaus zur Arbeiterklasse gezählt werden, wenn zu seinen Aufgaben nicht das Aufpassen auf die Arbeiter, anstelle des Inhabers des Unternehmens, des Kapitalisten, gehört. Sollte dies in das Aufgabenspektrum des Meisters fallen, so gehört dieser automatisch zur Klasse der Bourgeoisie, welche dem Proletariat feindlich gesinnt ist, da die Klasse der Ausbeuter völlig andere, auf Profit ausgelegte Interessen verfolgt.

Was die Ärzte und Lehrer betrifft, lässt sich sagen, dass deren Angehörigkeit zu einer Klasse von ihren Aufgaben und ihrem Arbeitsort abhängig ist. Wenn es sich um ein staatliches Unternehmen handelt, dessen Ziel nicht profitorientiert ist, so handelt es sich um Bedienstete. Bedienstete einer niedrigen Stufe gehören der Klasse der Proletarier an. Bedienstete, welche in ihrer Arbeit auf einer höheren Stufe angesiedelte sind, stehen auf der Seite der Bourgeoisie.

Allerdings können auch Lehrer und Ärzte an privaten Bildungseinrichtungen bzw. kostenpflichtigen Kliniken, welche vom kapitalistischen Staat organisiert sind, arbeiten. In diesem Fall nährt sich ihre (Klassen-)Position der Position eins Proletariers, da ihre Arbeit den Eigentümern dieser Unternehmen einen Mehrwert bringt.

Ähnlich sieht es mit anderen Berufen aus. Das heißt, man muss stets alles sehr genau analysieren, nur so kann man unterscheiden, ob es sich bei der jeweiligen Person um einen Arbeiter oder nicht-Arbeiter handelt.

Hierbei muss man auch noch verstehen, dass ein Proletarier kein ungebildeter und unqualifizierter Arbeitnehmer ist, welcher sich ausschließlich mit primitiver, physischer Arbeit auseinandersetzt. In so einer Form könnte man einen Proletarier (Arbeiter) leicht der Bourgeoisie aussetzen, welche in unserer heutigen Gesellschaft die herrschende Klasse darstellt. In Wirklichkeit ist das jetzige Proletariat durchaus gebildet und oft ist sogar die Bildung eines Arbeiters nicht schlechter (wenn nicht gar besser) als der Bildungsgrad der Arbeiter, welche sich ausschließlich geistig und nicht physisch mit ihrer Arbeit beschäftigen. Allerdings spielt es der in unserer Gesellschaft dominierenden bürgerlichen Ideologie, welche bewusst die proletarische Bevölkerung in verschiedenen Teile spalten will, in die Hände, dass z.B. die Intelligenz sich häufig als die gebildetere (eher kultivierte) Schicht ansieht, obwohl diese nahezu keine ernst zu nehmenden (darunter auch materiellen) Mittel dazu hat.

Die moderne Produktion, mit ihren hochtechnologischen und teils äußerst komplizierten Apparaten braucht eine ebenso hochgebildete Arbeiterschaft, welche etwa vom Wissen her im technischen Bereich sich besser auskennt als so mancher Ingenieur. Die Handarbeit, welche keine großen Kenntnisse gefordert hat, gehört der Vergangenheit an. Diese Arbeit erledigen heutzutage Maschinen, Automaten und Roboter. Der Kapitalismus ist heutzutage vorwiegend die große, maschinelle Produktion. Darin bestand auch der Fortschritt dieser Gesellschaftsordnung in der Geschichte der Menschheit. Manuelle Arbeit wird selbstverständlich auch noch in unserer heutigen kapitalistischen Gesellschaft verrichtet und leider ist beispielsweise die ehemalige Sowjetunion (oder auch die ehemalige DDR), die seit dem Zerfall Jahrzehnte in der gesellschaftlichen Entwicklung zurückgefallen ist, keine Ausnahme. Allerdings hängt dies entweder mit den Resten der veralteten, lange toten, Produktionsverhältnissen, oder aber mit den Elementen der kapitalistischen Degeneration und der Zersetzung der kapitalistischen Produktionsweise zusammen.

Man darf hierbei allerdings beispielsweise die Spezifik von Ländern wie Russland, der Ukraine, usw. nicht außer Acht lassen, in der der Kapitalismus in Folge der Konterrevolution aufgetreten ist und gleichzeitig die stark ausgeprägten, sozialistischen, gesellschaftlich-ökonomischen Elemente vernichtet hat. Die angesprochene Spezifik wird beispielsweise dadurch deutlich, dass ein großer, dominierender Teil der Arbeiterklasse aus (im Falle der ehemaligen Sowjetrepubliken) der ehemaligen UdSSR stammt, in der die Arbeiterschaft eine sehr gute Ausbildung genießen durfte (nach heutigem Maßstab, eine der wohl besten Bildungen überhaupt, vergleichbar mit Absolventen von technischen Hochschulen). Diese Arbeiter haben ein so breit gefächertes Fachwissen in technischen Fertigungstechnologien, dass heutige „Spezialisten“ (z. B. bürgerliche Ingenieure und das heutige Management dieser Kategorie), welche in der ehemaligen Sowjetunion nun überall die Unternehmen leiten, noch nicht einmal an sie herankommen würden. Die Tatsache, dass heute noch über den gesamten Ostblock verteilt, viele (noch im Sozialismus gebaute) Unternehmen bis heute arbeiten, hängt alleine von diesen ehemaligen und nicht gerade vielen sowjetischen, ostdeutschen, usw. Fertigungsingenieuren ab und ganz und gar nicht von den heutigen kapitalistischen Managern, welche von Privateigentümern bezahlt werden, wie im oberen Beispiel bereits zu sehen war. (Mehr dazu gibt es hier.)

Eine weitere Spezifik für beispielsweise das heutige Russland, welche ebenso ein Nachweis des in nicht allzu weiter Ferne liegenden Sozialismus ist (und somit auch die Tatsache der Abwesenheit der sozialistischen Vergangenheit in vielerlei kapitalistischen Ländern klar aufzeigt), ist die Zielstrebigkeit der russischen Jugend zu einem Hochschulabschluss. In Kombination mit der sehr hohen Arbeitslosigkeit führt dies letzten Endes dazu, dass in vielen Fabriken nicht sehr selten in den ehemaligen Sowjetrepubliken Menschen mit einem Hochschulabschluss arbeiten (wenn nicht gar mit zwei!).

All dies zeigt deutlich auf, dass trotz des hohen Selbstwertgefühls und der überhöhten Ambitionen, welche oft bei Vertretern der Intelligenz auftreten, diese dennoch häufig fehl am Platz sind. Arbeiter aus den post-sowjetischen Staaten sind meistens viel kultivierter und gebildeter als der Großteil der ständig im Büro sitzenden Intelligenz, teilweise auch deswegen, weil Proletarier stets mit real existierenden, materiellen Dingen, zu tun haben und nicht in Illusionen und idealistischen Abstraktionen schwelgen.

Nachdem wir nun herausgefunden haben, wer ein Arbeiter ist und wer nicht, wird zunehmend klarer, dass es für die Behauptung „es gebe mehr Vertreter der Intelligenz und anderer Kategorien von Arbeitnehmern“ keinerlei Anhaltspunkte gibt. Eher wird das Gegenteil deutlich. Die Arbeiterklasse und die ihm angehörigen verschiedenen Schichten der Arbeiterschaft, zusammen mit ihren Familien, stellen in unserem und in jedem anderen kapitalistischen Land die absolute Mehrheit dar. Der moderne Kapitalismus zeigt uns, dass das von Karl Marx entdeckte Gesetz der Proletarisierung der Bevölkerung gilt, genauso wie alle anderen Gesetze des Kapitalismus ebenfalls gelten.

Was die Frage unseres Lesers betrifft, wer nun in unsere Bewegung eintreten kann, ist die Antwort simpel: Eintreten können alle die, die sich fest an die Positionen der Klasse des Proletariates gebunden haben, in völliger Unabhängigkeit von ihrer formalen Klassenposition. Eben solch Positionen vertraten ihrer Zeit die Bolschewiki, als sie auf dem Weg der Gründung einer politischen Partei der Arbeiterklasse waren und wir sehen keinerlei Gründe dafür, wieso wir diese Positionen nun verändern sollten. Das heißt, dass im Prinzip auch ein Vertreter der Klasse der Bourgeoisie die Klassenposition des Proletariates teilen kann, allerdings wird er, nachdem er sich zu diesem Weg entschlossen hat, sofern seine Überzeugungen felsenfest und unveränderbar sind, nicht mehr ein Kapitalist bleiben und weiterhin Arbeiter ausbeuten können.

Aus diesen Gründen können Vertreter der Intelligenz und anderer Schichten unserer Gesellschaft durchaus ein Teil unserer Bewegung «Weg der Arbeit» werden, sofern sie die Klassenposition des Proletariates teilen, mit fester Überzeugung diese vertreten und ihre bürgerlichen und kleinbürgerlichen Ideen und Ansichten aufgegeben haben.

Eine Aufgabe unserer Bewegung ist das Unterstützen solcher Genossen (d.h. das Unterstützen von pflichtbewussten und aktiven Arbeitern und allgemein allen, die diese Klassen- und Weltanschauung teilen) im Finden von Gleichgesinnten.

Übersetzt von K. Schtimow, 2017

Fortsetzung — «2. Warum der «Weg der Arbeit» keine Politische Partei ist.»

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