Warum die MLB «Weg der Arbeit» keine politische Partei ist.

Kustodiyev_bolshevik_thumbFrage: „Warum handelt es sich bei der Marxistisch-Leninistischen Bewegung «Weg der Arbeit» lediglich um eine Bewegung? Wieso organisiert ihr euch nicht zu einer politischen Partei, wie zu ihrer Zeit die SDAPR?“

Diese Frage wird uns von unseren Lesern und Unterstützern recht häufig gestellt. Wir können sie hierbei gut verstehen. Wir befinden uns in der Zeit, in der die Situation auf der ganzen Welt immer zugespitzter wird und die größte, in der Geschichte des Kapitalismus, ökonomische Krise in einer Vielzahl von Ländern wiederum zu politischen Krisen geführt hat, in einer Zeit, in der die Vormachtstellung des globalen Kapitals, durch die revolutionären Handlungen der Arbeiterklasse, sehr stark zum schwanken gebracht wurde und in einer Zeit, in der selbst die Arbeiterklasse u. a. Russlands, welche sich jahrelang in einer Phase der Entmutigung und der politischen Passivität befand, immer mehr zu begreifen vermag, dass ein neues Kapitel der radikalen Veränderungen, der sozialistischen Veränderungen, eingeleitet werden muss.

Und tatsächlich: Je länger wir im Kapitalismus leben, desto deutlicher wird der kolossale Unterschied zwischen dem, was es gab und dem, was nun ist. Zwischen den, in allen Hinsichten, großartigen sozialistischen Ländern, wie etwa der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und diesen Fehlern, wie der Russischen Föderation, in denen wir nun gezwungen sind auszuharren. Dabei muss erwähnt werden, dass dies nicht nur von den älteren Generationen bemerkt wird, sondern auch von der Jugend, welche ja eigentlich keinerlei Erfahrungen im Sozialismus gesammelt hat, allerdings oft mitbekommt, wie die ehemaligen sozialistischen Länder vor der Perestroika, vor dem neu angegebenen Ton durch den Kapitalismus, waren und zu was sie letztendlich wurden. (Dabei muss erwähnt werden, dass das Bürgertum nicht etwa von der RSFSR, UkrSSR etc. spricht, sondern in der Regel von Russland, der Ukraine usw. Jedoch handelt es sich z. B. bei der RF und RSFSR um zwei von Grund auf verschiedene Länder. Gleichstellen, tut diese nur die Bourgeoisie. Ihr spielt es jetzt in die Hände, sich die Erfolge anderer anzueignen, denn sie selbst hat keinerlei Erfolge zu verzeichnen, genaugenommen, hat jene noch nicht einmal Erfolge im geringsten Maße vorzuweisen.)

Hat der Genosse die Notwendigkeit der sozialistischen Veränderungen erst einmal wahrgenommen, so versteht er auch etwas anderes: Er versteht, dass im Land eine Kraft benötigt wird, welche es schaffen würde alle Arbeiter zu vereinen, im Kampf gegen unsere neue Gesellschaft. Aus der Geschichte heraus weiß er, dass solch eine Kraft ehemals die Partei der Bolschewiki war. Hieraus kommen sie zu dem durchaus logischen Schluss, dass etwa das heutige Russland eine wahre kommunistische Partei braucht, eine, wie ihrer Zeit die SDAPR(B), da nur so eine Partei es schaffen würde das Arbeitervolk zum Sieg über den Kapitalismus zu führen.

Sie sehnen sich danach, eine solche Partei in der Organisation zu finden, welche aktiv die Ideen des Bolschewismus propagiert, in unserem Fall die «Marxistisch-Leninistische Bewegung «Weg der Arbeit», naiv davon ausgehend, man brauche für die Gründung einer wahren kommunistischen Partei lediglich einige Dutzend oder Hundert Personen mit einem subjektiven Willen, also man solle sich quasi lediglich „umbenennen“. Den Namen ändern, eine Satzung bestimmen, ein Parteiprogramm festlegen und das war’s! Eine politische Partei ist geboren!

Leider ist dem nicht so. Alles ist um einiges komplizierter. Eine echte kommunistische Partei, ein identische Partei zu der der Bolschewiki, lässt sich so nicht gründen. So wie eben beschrieben kann man lediglich eine bürgerliche politische Partei, welche im Namen das Wort „Arbeiter“ oder „Kommunistische“ in sich trägt, gründen, nicht aber eine echte kommunistische Partei.

Eine echte Kommunistische Partei, das ist eine politische Organisation der Arbeiterklasse, wobei es sich bei ihr nicht um Irgendeine, sondern um eine handeln muss, welche die grundlegenden Interessen der Arbeiterklasse (Grundlegend, das heißt die aller wichtigsten, die fundamentalsten Interessen, ohne die die Arbeiterklasse unter dem Joch seines Klassenfeindes — der Bourgeoisie — verbleiben würde) widerspiegelt. Die MLB «Weg der Arbeit» versucht die grundlegenden Interessen der Arbeiterklasse zu reflektieren, propagiert diese, allerdings handelt es sich bei ihr nicht um eine politische Organisation der Arbeiterklasse. Und eben das ist der Punkt.

Die Propagandisten der Bourgeoisie verbreiten keineswegs zufällig, gleichzeitig die Wahrheit verbergend, Mythen über die Existenz von solch politischen Parteien. Sie trichtern den Werktätigen ein, eine politische Partei sei sozusagen eine einfache Organisation, wie es sie häufig in der Gesellschaft gibt, mit dem Unterschied, dass diese Organisation sich mit Politik befasst. Dass diese quasi eine Gruppe von Leuten darstellt, welchen plötzlich in den Sinn kam sich mit der Politik des Landes zu beschäftigen, vielleicht eine politische Partei zu gründen und durch diese ihre gemeinsamen Interessen zu vertreten.

Man könnte denken sie haben Recht, wir sehen auch tatsächlich nicht wenige Organisationen, welche sich stolz als politische Parteien bezeichnen. Einige von ihnen nehmen auch noch an Parlamentswahlen teil und ziehen sogar in dieses ein, wodurch sie, durch ihre Präsenz im Parlament, die Regierung porträtierend, auch noch gutes Geld machen.

In Wirklichkeit ist dem aber nicht so. Alle Parteien — und von ihnen sind über 100 in Russland registriert — vertreten nicht die Interessen verschiedener, sondern einer großen Gruppe von Leuten — der Bourgeoisie, der in unserer Gesellschaft herrschenden Klasse. Zahlenmäßig gehören ihr etwa 5% der Bevölkerung in Russland an, die verschiedenen bürgerlichen Schichten und Staatsbeamte aller Art eingeschlossen (diese Zahl ist in jedem kapitalistischen Land, der BRD eingeschlossen, ähnlich „hoch“). Letztere gehören streng genommen der Bourgeoisie gar nicht an, da sie häufig keine Kontrolle über die Produktionsmittel haben und sich nicht an fremder Arbeit bereichern, allerdings sind sie dennoch der Bourgeoisie zuzuzählen, aufgrund ihrer Position in der gesellschaftlichen Produktion und ihrer Unterstützung gegenüber den Interessen des Bürgertums.

Innerhalb der Klasse der Bourgeoisie gibt es einige Widersprüche, welche von den einen oder anderen Parteien vertreten werden, allerdings ist diese gesellschaftliche Klasse im Großen und Ganzen einig. Sie existiert nur aufgrund der Aneignung fremder Arbeit, der Ausbeutung der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen. Sie ist bereit absolut jedem das Genick zu brechen, der ihr dieses Recht wegnehmen möchte.

Auf der Gegenseite werden die Klasseninteressen von 95% der Bevölkerung, d.h. den Ausgebeuteten, von keiner existierenden Partei in Russland vertreten, ganz in Unabhängigkeit davon, wie sich diese Partei nennt (Auch dieser Abschnitt lässt sich auf nahezu jedes Land übertragen, z. B. auch Deutschland, Frankreich etc.). Sogenannte „Linke“ Parteien, seien es nun die KPRF, die «Kommunisten Russlands» oder die «ROT Front» vertreten die Wünsche des Kleinbürgertums und des Mittelstandes, nicht aber die der Arbeiterklasse, der werktätigen Massen.

Der Bourgeoisie kommt eine solch hohe Zahl an verschiedenen Parteien sehr gelegen. Im Besitz einer solchen Kollektion verschiedener Parteien verliert das Bürgertum nichts, nein, es gewinnt sogar dadurch. Mithilfe dieser hohen Anzahl führt die Bourgeoisie die Werktätigen an der Nase herum, in Form von Veranstaltungen falscher „Wahlen“, welche es in Wirklichkeit für die Arbeiter gar nicht gibt. Und tatsächlich: Was macht es für einen Unterschied für den Arbeiter eine von über 100 Parteien zu wählen, wenn diese doch stets nur die Interessen ihrer Arbeitgeber, ihrer Klassenfeinde, verkörpern? Egal welche der im Land existierenden Parteien auch gewählt wird, sie wird dennoch weiterhin den politischen Kurs, welcher seit der Perestroika in Russland eingehalten wird (und in unserem Fall der „Wiedervereinigung“ in Deutschland), einhalten. Solch eine Politik ist nur für die Bourgeoisie lohnenswert, nicht aber für die Arbeiterklasse, die Werktätigen des Landes. Das Bürgertum macht sie nur immer ärmer und ärmer, schränkt und unterdrückt die Proletarier mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.

Man könnte meinen, es handelt sich hierbei nur um eine primitive Lüge, welche man leicht entlarven könnte, allerdings schafft es die Bourgeoisie diese Lüge sehr lange am Leben zu erhalten. Über Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte (in den älteren kapitalistischen Ländern) halten sie sich in einigen Ländern.

Die Arbeiter verstehen nicht sofort, dass sie eine eigene Partei brauchen, eine Partei der Arbeiterklasse, welche die Interessen von ihm, dem Proletariat, vertreten würde, wobei es sich nicht um irgendwelche momentanen Interessen handeln dürfte, sondern um, wie weiter oben bereits erläutert, die grundlegenden, die Hauptinteressen. Nur nach genügend Fehlern, nach dem Sammeln von ausreichend politischer Erfahrung und erst ab einer bestimmten Stufe des politischen Bewusstseins, d. h. einem bestimmten Level des Bewusstseins seiner grundlegenden Interessen, sprich dem Bewusstsein, welches den Proletariern vermittelt, dass die Arbeiterklasse nur besser leben kann, nachdem sie sich von dem blutsaugenden Parasiten der Bourgeoisie befreit hat, nur dann kann das Proletariat aus seiner Mitte die aktivsten und politisch gebildetsten Arbeiter, die Anführer der Arbeiterbewegung heraussuchen. Nur dann können die Werktätigen das „Kampfzentrum“, den „Generalstab“ des Proletariates, welcher den Klassenkampf der Arbeiterklasse, mit dem Ziel der politischen Machtergreifung, leitet, auswählen.

Die politische Partei der Arbeiterklasse, dass ist selbst ein Teil der Arbeiterklasse. In sie können selbstverständlich auch Abkömmlinge anderer Klassen und Gesellschaftsschichten eintreten, aber nur in dem Fall, wenn sie die Klasseninteressen ihrer Klasse aufgegeben haben und felsenfest die Klassenposition des Proletariates vertreten. Dabei bleiben das Rückgrat der Partei immer politisch bewusste proletarische Anführer, auf denen sich die Partei hält und durch welche sie mit Millionen von Massen der gesamten Arbeiterklasse verknüpft ist.

Von hier aus wird verständlich, wieso eine politische Partei der Arbeiterklasse nicht ansatzweise mit einer bürgerlichen Partei zu vergleichen ist. Die Letzteren existieren nur zu Dekorationszwecken und dafür, um den werktätigen Massen zu zeigen, sie würden alle vier bis sechs Jahre in irgendeiner Weise an der Regierung beteiligt sein. In Wirklichkeit aber stellen bürgerliche politische Parteien keinerlei Macht dar, denn diese haben nichts zu sagen. In kapitalistischen Ländern löst alles die Regierung, welche nicht vom Volk, sondern von den größten Kapitalisten eines Landes bestimmt wird (und in Kolonialländern, wie etwa der Russischen Föderation, werden diese Entscheidungen auch noch mit den Regierungen der Länder-Metropolen abgesprochen). Deswegen brauchen bürgerliche Parteien keine enge Bindung zu den Massen, sie brauchen lediglich das „Elektorat“, welches zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Stimme für sie abgibt. Alles andere bereitet diesen Parteien keine Kopfschmerzen.

Was völlig anderes wäre eine politische Partei des Proletariates (eine echte kommunistische Partei). Diese muss so stark mit den werktätigen Massen verbunden sein, dass sie die ihr gestellten Aufgaben — das Ergreifen der politischen Macht mithilfe der Arbeiterklasse und das Errichten einer neuen Sozialistischen Gesellschaft — nicht nur erfüllen muss, sondern dass man diese sozusagen als zentrales Nervensystem der Arbeiterklasse benennen könnte. Eben deswegen bezeichnete der Genosse W.I. Lenin die Partei der Arbeiterklasse als eine „Partei des neuen Typus“ (Mehr dazu hier — W. Sorin «Organisatorische Grundlagen des Bolschewismus»).

Wir denken es ist nun klar, dass egal wie stark wir es auch momentan wollen eine politische Partei der Arbeiterklasse in Russland zu gründen (also eine wahre kommunistische Partei), die Entstehung einer solchen Partei ist ein langwieriger und sehr schwieriger Prozess, welcher maximalen Aufwand erfordert, wegen welchem viele von uns sehr ernst aber auch intensiv arbeiten und auch einige Opfer in Kauf nehmen werden müssen.

Keineswegs hat Wladimir Iljitsch Lenin zufällig als seine größte Errungenschaft nicht etwa die Oktoberrevolution, sondern die Gründung der Partei der russischen Arbeiterklasse, der SDAPR(B), gesehen. Und er hatte Recht. Wenn die Arbeiterklasse eine solche Partei hat, dann hat sie alles, was für den Sieg über dem Kapital nötig ist. Denn eine solche Partei, von der Tatsache abgesehen, dass diese selbst die mächtigste Waffe gegen die Bourgeoisie darstellt, ist auch noch mit der zweitwichtigsten Waffe des Proletariates ausgestattet, nämlich ihrer revolutionären Theorie, dem Marxismus-Leninismus.

Die Arbeiterklasse kann eine solche Partei nicht sofort organisieren, sondern erst ab einer bestimmten, recht hohen Stufe seines Klassenbewusstseins (also dem Bewusstsein seiner grundlegenden Klasseninteressen). Eine politische Partei, das ist die höchste Form der Organisation der Arbeiterklasse. Diese Partei muss das Proletariat selbst verstehen, welches zu dem Schluss kommen muss, dass diese Partei für die Arbeiterklasse überlebenswichtig ist. Nicht einzelne, wenige, Aktivisten müssen dies verstehen, sondern die werktätigen Massen selbst. Nur dann kann so eine Partei erscheinen, eine Partei, welche die Arbeiterklasse zum Sieg führen wird.

Aus dem Gesagten ist, wie wir hoffen, unseren Lesern ersichtlich, dass selbst wenn morgen der «Weg der Arbeit» sich als politische Partei bezeichnen würde und eine Satzung, zusammen mit einem Parteiprogramm, annehmen würde, er dennoch keine politische Partei der Arbeiterklasse wäre. Das wäre eine Fiktion, eine Lüge und wir sind es nicht gewohnt die Arbeiterschaft anzulügen. Deshalb haben wir nicht das Recht uns als das zu bezeichnen, was wir in Wirklichkeit nicht sind.

Unsere Bewegung versteht vielleicht besser als jeder andere, wie sehr unsere Arbeiterklasse eine politische Partei braucht, so eine, wie sie ehemals die Partei der Bolschewiki war. Deswegen richten wir unser Hauptaugenmerk auf das Helfen unserer Arbeiterklasse angesichts der Gründung einer solchen Partei und deswegen haben wir auch unsere Bewegung gegründet, welche dem Lösen dieser Aufgabe all ihre Tätigkeit widmet.

Übersetzt von K. Schtimow, 2017

Fortsetzung – «3. Unsere Meinungsverschiedenheiten.»

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